Das Dossier auf einen Blick

Ein dynamisches, interdisziplinäres Expertenboard für die differenzierte Betrachtung von Konzepten und Methoden wie HTA und QALY.

Im Bestreben, zur Eindämmung des Kostenwachstums im Gesundheitswesen Konzepte und Massnahmen zu fordern, die sich auf die Arzt-Patienten-Beziehung ethisch problematisch auswirken, formieren sich Gremien und Instanzen wie das Swiss Medical Board und SwissHTA. Das VEMS Ethical Board ist eine Gegenstimme, die grundlegend anders arbeitet: unvoreingenommen, wissenschaftlich und dynamisch.
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Neuste Aktivitäten in diesem Dossier:
 
04.04.2014:

5. September 2013:
VEMS-Stellungnahme zu den Hintergründen
des SMB-CT-Berichts 
 
4. September 2013:
Zwei Artikel in der Ärztezeitung, mit Stellungnahmen von FMH und SMB
 
1. März 2013:
Stellungnahme zum Bericht des Medical Boards «Computertomographie-Scanner in der Abklärung der koronaren Herzerkrankung» mit Versand an BAG, EDI, FMH, GDK, SAMW





Hintergrund:

Der ökonomische Druck im Gesundheitswesen führt zum Bestreben, diagnostische und therapeutische Interventionen dahingehend zu untersuchen, ob die Aufwendungen, die sie verursachen, in einem Verhältnis zum Nutzen stehen, den sie auf individueller und auf gesellschaftlicher Ebene generieren. Die Instrumente, welche hierzu auch in der Schweiz stark gefördert werden, sind die Methoden der vergleichenden Wirksamkeitsforschung (Comparative Effectiveness Research, CEA), wozu die hauptsächlich diskutierten Health Technology Assessments HTA gehören. Der Wunsch, auf diese Weise zu verbindlichen und objektiven Richtlinien zu gelangen, welche Diagnosen, Behandlungen und Medikamente über die obligatorische Krankenpflegeversicherung finanziert werden, ist ein verständlicher, aber unrealistischer. Die klinische Praxis sieht anders aus: Der Arzt bestimmt zusammen mit seinem Patienten innerhalb eines Ermessensspielraums – den Empfehlungen durchaus liefern können –, welche Indikation und Behandlung im konkreten Fall zweckmässig ist. Es stellt die eigentliche intellektuelle Leistung des Arztes dar, diesen Entscheid zusammen mit seinem Patienten zu fällen. Wird dieses Verhältnis gestört, drohen medizinisch-ethisch problematische Situationen.


Die Arbeitsweise sich etablierender Gremien:
Organisationen wie das SwissMedical Board oder SwissHTA nehmen für sich in Anspruch, interdisziplinär zu arbeiten, wobei Medizin, Ökonomie, Ethik und Recht berücksichtigt würden. Die Arbeiten, die dann aber verfasst werden, zeigen tendenziell einen einseitigen Fokus auf die Ökonomie. Expertenmeinungen werden selektiv so ausgewählt, dass kein fundamentaler Widerstand zu erwarten ist (SwissHTA), oder sie werden so in den Arbeitsprozess eingebunden, dass sich ihr Input nicht zwingend im Endresultat niederschlagen muss (Swiss Medical Board). Überdies werden zitierte Studien und Informationen selektiv so ausgewählt, dass sie einer Grundintention das Wort sprechen, anstatt sie gegeneinander abzuwägen, um dem Leser eine Meinungsbildung und Entscheidungsfindung zu erleichtern. Das Resultat sind Empfehlungen und Forderungen, die einer einseitigen, voreingenommenen Sicht entspringen und sich nicht in den klinischen Alltag einführen lassen, ohne dass damit erhebliche medizinisch-ethische und rechtliche – mitunter auch finanzielle – Gefahren in Kauf genommen werden müssen. Die Schäden für die Volksgesundheit und das Gesundheitswesen Schweiz können erhebliche, über Generationen hinwegreichende sein.


Die Arbeitsweise des VEMS Ethical Boards:
Das VEMS Ethical Board sieht sich als Gegenstimme für eine tatsächliche Medizinethik. Dies beginnt bei der Ethik der eigenen Arbeitsweise:

  • Instrumente wie Health Technology Assessments HTA und andere Methoden der vergleichenden Wirksamkeitsforschung (Comparative Effectiveness Research, CEA) sowie insbesondere das QALY-Konzept (quality adjusted life years) werden vom VEMS Ethical Board unter Einbezug auch des kritischen internationalen wissenschaftlichen Diskurses differenziert betrachtet.
  • Der Tatsache, dass bezüglich beidem, HTA und QALY, in der Schweiz durchaus kein Konsens herrscht, wird Rechnung getragen, ebenso wie der Tatsache, dass die HTA-Methode betreffend einer Reihe von Vorgaben zweifelhaft ist und das QALY-Konzept im internationalen wissenschaftlichen Diskurs so umstritten, dass es laut dem US-amerikanischen gesundheitsökonomischen Institut «Patient Centered Outcome Research Institute» PCORI  per Gesetz seit 2010 verboten ist, Beurteilungen medizinischer Massnahmen auf dieser Basis vorzunehmen.
  • CEA-Konzepte werden alternativen Konzepten wie NNT (Number Needed to Treat) gegenübergestellt, welche sich nicht, wie dies ein HTA tut, die Frage stellen, welches Kosten-Nutzen-Verhältnis eine medizinische Behandlung hat, sondern vielmehr jene, ab welcher Zahl erfolgreich behandelter Patienten dieses Verhältnis unter welchen Umständen positiv ist, bzw. die Behandlungskosten insgesamt die Kosten bei Nichtbehandlung wesentlich unterschreiten.
  • Die Evidenzgrade zitierter Studien werden offengelegt, die Regeln der Good Epidemiological Practice GEP werden eingehalten.
  • Damit sowohl Transparenz als auch fachliche Qualität gewährleistet ist, werden unsere Stellungnahmen jeweils von einem Expertenteam von Fachspezialisten verfasst, welche für deren Inhalt persönlich bürgen und für Rückfragen zur Verfügung stehen.


Arbeit und Organisationsform des VEMS Ethical Boards:
Das VEMS Ethical Board verfasst Stellungnahmen, Beurteilungen, Studien und Presseartikel, führt Symposien durch und realisiert Informationskampagnen. Dabei bildet sich das VEMS Ethical Board für jedes Projekt neu, entsprechend den jeweils verlangten Expertisen. Das VEMS Ethical Board ist ein Engagement der Fairfond Stiftung für Fairness im Gesundheitswesen, seine Finanzierung somit ungebunden von Interessen von Leistungserbringern, Krankenkassen und Pharmazeutischer Industrie.